
Das schöne an deutschen Universitätsbibliotheken ist ja… was war es nochmal?

Das schöne an deutschen Universitätsbibliotheken ist ja… was war es nochmal?
“Ich brauch sowas nicht”, hab ich immer gesagt. Und jetzt weiß ich nicht, wie ich es so lange ohne ausgehalten habe. Es ist ein kleines Wunder. Es sorgt dafür, dass ich mich vier Stunden im Zug auf dem Weg nach Köln und fünfeinhalb Stunden auf dem Rückweg von Aachen nicht langweile. Es sagt mir kostenlos, was in der Welt passiert ist, woher Wollfusseln kommen, wo auf der Welt es am schönsten ist und warum manche Kinder so zappelig sind.

Mein kleines Wunder und ich. Das Bild in groß von mir mit neuer Frisur gibt’s hier.
Umso besser, dass das kleine Wunder schon zwei Tage nach der Bestellung bei einem Nachbarn in Hamburg auf mich wartete - pünktlich vor der nächsten Heimreise am vergangenen Wochenende. Wer öfters online shoppt, weiß: Auch das grenzt ja an ein Wunder.
Und es kam noch besser: Die Deutsche Bummelbahn sorgte mit einigermaßen pünktlichen Zügen und null verpassten Anschlüssen am Wochenende für das nächste Wunder. Über zappelige Kinder wusste ich ja nun Bescheid, aber hinter mich hätte sich nicht gleich eins setzen müssen. Ein kleiner Junge, der wohl noch nicht verstanden hat, was sich hinter dem großen E verbirgt, quengelte (gefühlt) die komplette Strecke zwischen Köln und Hannover lautstark: “Du Papaaa, wann fahren wir endlich mal wieder mit dem InterCity und nicht immer nur mit dem ICEEEEE?”. Als besagter Papa dann auch noch anfing, aus Tim und Struppi vorzulesen, hatte ich die Lösung schon parat: Stecker rein und Lautstärke hoch.
Selten - besser gesagt noch nie - hatte ich dringender das Bedürfnis, euch etwas mitzuteilen als jetzt! Denn ich habe heute ein neues Buch entdeckt, auf das ich nur gewartet habe.
“Wo befinden wir uns, wenn der Human Resources Manager den City Call auf seinem Handy beendet und am Service Point nach dem Rail & Fly-Ticket fragt? Klar: In Deutschland natürlich. Haben wir das wirklich nötig: all diese Anglizismen? Wäre weniger nicht mehr? Und ob, sagt Wolf Schneider.” (Rowohlt Verlag)
Und deshalb hat er dieses Buch geschrieben:

Mehr Infos und eine Leseprobe gibt es beim Rowohlt Verlag.
Aus aktuellem Anlass nervt mich dieses Thema übrigens mehr denn je. Und damit nicht genug, von Wolf Schneider habe ich schon ein anderes großartiges Buch gelesen. Also, es wird wahrscheinlich empfehlenswert sein, ich werde es jedenfalls so schnell wie möglich lesen!
Am zweiten Tag an der Uni Bonn haben uns nette Menschen von RTL, dem WDR und der Deutschen Welle besucht. Die Zusammenarbeit finde ich super und in den Vorlesungen der Medienprofis kann man sicher eine Menge lernen. Nicht so super fand ich die Möglichkeiten, die man als Student und Hochschulabsolvent bei den Großen der Branche geboten bekommt.
Eines der genannten Unternehmen belächelte mich für meine Frage, wie es denn bei einem mehrmonatigen Praktikum mit einer Vergütung aussehe. Zuvor hatte der Vertreter dieses Unternehmens beschrieben, dass man sich als Praktikant schon selbst darum kümmern müsse, etwas gezeigt zu bekommen. Die meisten stehen also nur im Weg herum und da sie nicht die Chance bekommen, mitzuhelfen, werden sie auch nicht bezahlt. Und schließlich steht ja der große Name nachher im Lebenslauf, ist das nicht Bezahlung genug? Das wurde so natürlich nicht ausgesprochen. Die anderen Unternehmen zahlen immerhin eine Vergütung in Minijob-Höhe. Aber Vorsicht, manchmal sind auch nur eine “befristete Anzahl der Stellen” vergütet.
Anderes Thema. Was ist ein “Trainee”? Jemand, der nach seinem Hochschulabschluss für geringes Gehalt in einem Unternehmen eingearbeitet wird. Schlimm genug, dass es diese Stellen nun in fast allen Branchen gibt (sollte man nicht auch zu Beginn einer regulären Stelle eingearbeitet werden?), noch schlimmer ist, dass eine “Traineestelle” nicht unbedingt zur Festanstellung führt. Zumindest nicht in der Medienbranche. So äußerte sich zumindest ein Vertreter eines der anderen anwesenden Unternehmen: “Eine Garantie gibt es nicht”. Nach einer Ausbildung wird ein Azubi zwar auch nicht unbedingt übernommen, aber der Unterschied ist: Der Hochschulabsolvent ist bereits ausgebildet. Warum lasse ich mich in einem Unternehmen einarbeiten, um dann wieder zu gehen (und mich woanders womöglich mit der nächsten Traineestelle einarbeiten zu lassen)? Der einzige Vorteil: Als Trainee hat man für gewöhnlich die Möglichkeit, in mehrere Abteilungen zu schnuppern und sich innerhalb des Unternehmens zu orientieren.
Noch schlimmer fand ich aber das Angebot für Hochschulabsolventen (!), nach ihrem Studium eine spezielle Ausbildung zu absolvieren. Da fehlen mir die Worte…
Zu guter letzt, ein Pluspunkt für den WDR: Hier kann man studienbegleitend jobben und wird dafür ungefähr nach Hiwi-Tarif entlohnt.