Archive for the ‘Schatzsuche’ Category

Wohnungssuche Teil 3

Wednesday, February 25th, 2009

Am Sonntag habe ich meine fünfte und letzte Wohnung besichtigt. Das heißt zwar nicht, dass ich sie genommen habe, aber immerhin ist Sydney jetzt wieder mein Freund. Ich war richtig sauer auf diese Stadt, weil die Wohnungssuche so umständlich und alles so weit weg von meiner Uni ist. Am Sonntag habe ich also wie immer versucht, etwas früher an der Wohnung sein, um mir vorher noch die Umgebung anzugucken. Und wie immer hat das nicht funktioniert. Um 13 Uhr bin ich los gegangen, der Bus kam gute 20 Minuten zu spät um 13.30, um 14.00 bin ich das erste Mal umgestiegen, um 14.20 das zweite Mal, um 14.45 war ich in der Gegend, in die ich wollte, aber nicht an der am nächsten gelegenen Bushaltestelle. Der Bus dorthin fährt nämlich sonntags nicht. Großartig. Ich habe 15 Minuten zu Fuß gebraucht und sollte um 15 Uhr da sein. Immerhin nicht zu spät.

Die Wohnung lag in Mosman, einer der schönsten und reichsten Stadtteile Sydneys. Ich musste spontan an Blankenese denken. Es liegt direkt am Wasser, gegenüber vom Opernhaus und der Innenstadt. Mosman ist unglaublich grün, überall wachsen Palmen. Die Häuser sind auf kleinen Hügeln verstreut und manche haben Ausblick auf den kleinen Hafen von Mosman oder sogar auf Sydney City. Einen Strand gibt’s auch in der Nähe und viele Restaurants und Cafés. Klingt toll, oder? War auch toll. Mein Mitbewohner wäre Scott gewesen, ein 34-jähriger Filmstudent, der gerade einen professionellen Film dreht. Endlich mal ein Australier! Und ihr könnt es euch nicht vorstellen, die Wohnung war echt abgefahren, überall an der Wand hingen Skizzen von Kameraeinstellungen und Fotos von den Darstellern. Da hatten wir jedenfalls gleich ein gutes Gesprächsthema und er war auch sehr nett. Das Zimmer selbst bestand leider nur aus einem Bett und einem kleinen Schrank. Ich habe mich schweren Herzens aus zwei Gründen gegen diese Wohnung entschieden, erstens brauche ich einen Schreibtisch und zweitens sind zwei Stunden Anfahrtsweg zur Uni einfach zu weit, da hilft auch keine Hafenaussicht.

Nach der Besichtigung bin ich von Mosman aus mit der Fähre, zusammen mit vielen grauhaarigen Damen und Herren,  in die City gefahren. Ich kam mir vor wie im Film und in meinem Bauch hat es ganz schön gekribbelt. Die Sonne schien, der Wind wehte mir um die Nase und ich bin auf den Hafen einer der tollsten Städte der Welt zugefahren. Das war schon ein Luxus, an den ich mich gerne gewöhnt hätte. Aber genug geschwärmt.

Bevor ich Scott abgesagt habe, war ich im Accommodation Office und habe nach einem Zimmer in den Uni-Apartments gefragt. Ich hatte Glück. Und sollte die gesamte Miete auf einmal bezahlen. Wie studentenunfreundlich ist das denn!? Das Limit meiner Kreditkarten ist zu niedrig und normalerweise habe ich auch keine 2000 Euro Bargeld bei mir. Mit Hilfe von Papa hat es dann aber doch geklappt und ich habe mir die Bude gleich mal angesehen. Es ist eine WG mit drei Zimmern, davon ist eins ein Doppelzimmer. Dort wohnen Liz aus Kanada und Shanna aus den USA. Das dritte Zimmer ist noch frei. Außerdem gibt’s ein Wohnzimmer, eine Küche und einen winzigen Balkon. Im Vergleich zu dem hotelähnlichen Residential College, in dem ich vorher war, ist es schon ein bisschen schäbbiger. Die Haustür klemmt, die Möbel sind schon sehr alt, die Wand ist dreckig und ich blicke jetzt nicht mehr auf eine ruhige Wiesen- und Palmenlandschaft, sondern auf eine große Straße. Aber die Mädels sind nett, es ist nah zur Uni und ich kann mir endlich selbst was zu essen machen. Mich wurmt es nur ein bisschen, dass ich „aufgegeben“ habe. Aber dafür habe ich interessante Erfahrungen gemacht und Teile von Sydney gesehen, in die ich sonst wahrscheinlich nie gefahren wäre.

Wohnungssuche Teil 2

Sunday, February 22nd, 2009

Der Freitag sollte leider nicht besser enden, als er angefangen hatte. Zwei weitere Wohnungsbesichtigungen waren vereinbart und beide hörten sich ziemlich gut an. Die erste Wohnung war zumindest auch ganz in Ordnung. Sie lag in North Ryde, in der Nähe von der Uni. Ich hatte mit John telefoniert, der sich sehr nett anhörte. War er auch, aber er war auch ungefähr 20 Jahre älter, als ich es mir vorgestellt hatte. Er wohnt in einem kleinen Häuschen und vermietet zwei Zimmer mit Vorliebe an internationale Studenten, um die nachher auf der ganzen Welt zu besuchen. Das Wohnzimmer roch nach Räucherstäbchen und das freie Zimmer war groß und möbliert, wenn auch nicht nach meinem Geschmack. Leider liegt das Haus ziemlich abseits in einer ruhigen Wohngegend – zu ruhig. Außerdem will ich lieber mit jungen Leuten zusammen wohnen, im besten Fall mit Australiern. Aber das habe ich ja schon fast aufgegeben. Wie auch immer, es fühlte sich dort nicht richtig an.

Abends machte ich mich dann auf den Weg, um die zweite Wohnung anzusehen. Diese lag, wie die allererste auch, in Chatswood. Es fing schon schlecht an, der Bus hat statt 30 Minuten fast 60 Minuten gebraucht, weil so viel Verkehr war. Die Wohnung wurde mit den Worten „share nearly new house, 2 males, 2 females“ und der Aufforderung, einen Phillip anzurufen, angepriesen. Als ich am Telefon mit jemandem sprach, der schlecht Englisch sprach, hätte ich wahrscheinlich schon misstrauisch werden sollen. Ach was, ein asiatischer Mitbewohner macht ja nichts, Phillip war wohl gerade nicht da! Schließlich klingt der Name ja nicht besonders asiatisch. Ihr ahnt, was kommt. Ein Asiate öffnete mir die Tür und zeigte mir das „nahezu neue Haus“. Nicht nur lag ein Duft wie im Chinarestaurant in der Luft und ein abgeranzter Teppich auf dem Boden, das Badezimmer hätte dreckiger nicht sein können. Als ich nach der Küche fragte, zögerte er kurz, führte mich dann in einen anderen Raum. Dort saßen, inmitten der Unordnung, seine Eltern (!!) am Küchentisch und schauten mich verwundert an. Dass ich dort unter überhaupt gar keinen Umständen wohnen werde, liegt wohl auf der Hand.

Ihr denkt jetzt sicher, dass es doch nicht so schwierig sein kann. Aber es gibt stündlich neue Einträge auf den Mitbewohner-Webseiten und die meisten enthalten nur sehr wenige Informationen. Das wohl größte Problem ist, dass ich mich in Sydney noch nicht gut auskenne und weder weiß, welche Stadtteile empfehlenswert sind, noch, wie ich da hinkomme. Es gibt nur wenige Bahnverbindungen, ähnlich unserer S-Bahn, und dafür ein sehr großes, dichtes und unübersichtliches Busnetz. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu naiv und sollte nicht so schnell aufgeben. Ich bin trotzdem kurz davor, aufzugeben. Heute schaue ich mir noch eine Wohnung an, die sich wieder mal gut anhört. Sie ist aber schlecht angebunden und wer weiß, welche Überraschung mich dort noch erwartet. Wer das wissen will, schaut am besten in den nächsten Tagen noch mal rein! Diesen und den letzten Beitrag habe ich uebrigens “offline” geschrieben und dann veroeffentlicht, denn so viel Zeit im Internet habe ich leider nicht. Mails werden beantwortet, sobald ich eine feste Bleibe habe, versprochen!!

Es hört sich jetzt wohl alles schlimmer an, als es ist. Ich muss mich eben erstmal orientieren. Leider habe ich ein bisschen Zeitdruck, da ich bald aus dem Wohnheim ausziehen muss. Ich werde mich am Montag erkundigen, ob in den Uni-Apartments noch ein Zimmer für mich frei ist. Das sind auch Wohnheime, aber dort sind die Zimmer in einzelne WGs mit Küche unterteilt. Im Moment lebe ich wie im Hotel mit Vollverpflegung. Aber so ein Apartment wäre schon in Ordnung, dass es die gibt, wusste ich vorher irgendwie nicht. Es dauert nur leider mindestens 50 Minuten bis in die Innenstadt. Den Traum von der WG zwischen Uni und City muss ich wohl begraben. Campus-Unis haben so ihre Nachteile.

Wohnungssuche Teil 1

Friday, February 20th, 2009

Ich wusste ja, dass es schwierig werden wuerde, habe das aber eher als Herausforderung betrachtet. Als besonders problematisch bei der Wohnungssuche erweisen sich folgende Faktoren:

  1. Sydney ist riesig und unuebersichtlich. Das gilt auch fuer das Busnetz. Regelmaessig dauert es ca. 3 Mal so lang, einen Ort zu erreichen, wie ich eingeplant hatte. Ausserdem sind viele Orte schlecht angebunden.
  2. Der Wohnungsmarkt ist ueberschwemmt von Asiaten, die eine vierte Person suchen, um sich das Wohnzimmer zu teilen. Solche Anzeigen erkennt man eigentlich nur am niedrigen Preis.
  3. Ich habe das Gefuehl, alle internationalen Studenten suchen gleichzeitig eine Unterkunft. Zumindest ziemlich viele von denen, die ich bisher kennen gelernt habe.

Gestern hatte ich meine ersten beiden Besichtigungstermine. Den ersten in Chatswood, relativ zentral gelegen zwischen Uni und Innenstadt. Der Stadtteil gefiel mir ganz gut, aber als mir eine Koreanerin mit einem schreienden Kleinkind auf dem Arm die Tuer oeffnete, war mein Interesse schlagartig verflogen. Ich habe noch nie eine so unordentliche Wohnung gesehen, alles lag auf dem Boden herum. Ausserdem war das Zimmer noch gar nicht frei. Danach hatte ich zwar vorher am Telefon gefragt, aber das hat der Ehemann wohl nicht verstanden und einfach mal “Ja” gesagt, denn die beiden sprachen auch kaum Englisch (weiteres Problem). Dass es sich um eine Familie handelt, ging aus der Anzeige auch nicht hervor. Also keine Anzeigen mehr ohne genaue Infos.

Abends bin ich den wunderschoenen Stadtteil Waverton gefahren, das ist naeher an der Stadt als an der Uni. Das Zimmer war im Haus einer Frau, soviel wusste ich, und sie vermietet zwei Zimmer. Die Frau war um die 40, der andere Bewohner leider auch kein Student, sondern ein 30-jaehriger Banker. Sie hat sehr betont, dass sie ihre Ruhe und keinen Besuch haben wollen. Als sie im Bad ein Handtuch ordentlich zurecht gerueckt hat, war es auch hier endgueltig vorbei.

Eigentlich bin ich ja auf der Suche nach einer WG. Heute schaue ich mir eine Haus-WG an. Ich bin ja mal gespannt, vielleicht komme ich der Sache ja langsam naeher. Immerhin lerne ich so ein paar Stadtteile kennen. Achja, wenn jemand jemandem kennt in Sydney, schickt mir doch bitte die Kontaktdaten…

Peinlich.

Friday, September 12th, 2008

2000. Da war ich 15. Und weil ich mit 15 anscheinend sowas von DOOF war, war ich nicht in der Lage, meine Spuren auf dem Computer zu vernichten. So einiges davon kam heute in Form von Word-Dateien zu mir zurück: “Was machen diese Schnulzbriefe auf meinem PC? Papa”. Großartig. GROSSARTIG! Ich kann mir schon denken, wer sich jetzt bestens mit dem Liebesleben seiner pubertierenden Tochter auskennt.

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Die Schätze aus der Taschenkiste

Wednesday, December 26th, 2007

“Frohe Weihnachten, mein liebes Kind, trinkst du gleich einen Tee mit uns?”, so könnte man bei der Heimkehr an Heiligabend von seinen Eltern begrüßt werden. Oder so: “Das bist du ja! Oben in deinem alten Kinderzimmer stehen zwei Kartons mit Schuhen und Taschen, kannst du bitte mindestens die Hälfte davon wegschmeißen?”.

Weil ja Weihnachen ist und man seinem Vater einen Gefallen tun möchte, habe ich mir direkt die Taschenkiste vorgenommen. Und was kam da nicht alles in den Seitentaschen zum Vorschein… Tampons, Haargummis, Pflaster, Kontaktlinsen, ein Stück Draht, Wrigley’s Juicy Fruit Kaugummis, 5 Deutsche Mark und 10 Pfennig! Ich frage mich, wie das passieren konnte. Denn zu der Zeit, als ich diese alte schwarze Tasche noch über die Schulter geworfen habe, müssen 5 Mark 10 für mich ein halbes Vermögen gewesen sein. Oma sagt, bei C&A kann man noch mit DM bezahlen. Papa sagt, DM kann man nur noch bei der Zentralbank in Düsseldorf umtauschen - die Kosten für die Fahrt würden aber leider den Wert des kleinen Vermögens übersteigen.

Jetzt muss ich mir wohl die Schuhkiste vornehmen. Blöd nur, dass sich in den Schuhen wahrscheinlich keine kleinen Schätze verstecken.