Archive for the ‘Wortwahl’ Category

Südseeinselhopping

Sunday, July 12th, 2009

Das tolle an der Deutschen Sprache ist ja, dass man Wörter einfach aneinander hängen kann. Nur mal so als kleine Erläuterung zum Titel. Ihr werdet es nicht glauben, aber eine der Fiji-Inseln hieß tatsächlich South Sea Island, ist ja eigentlich nicht besonders kreativ. Die beiden anderen, auf denen wir - Martina und ich - noch übernachtet haben, nannten sich dafür Levutu und Naviti. Oder so ähnlich - verzeiht mir, ich habe die Landkarte gerade nicht zur Hand und der Reiseführer befindet sich bereits in bester Gesellschaft einiger (nicht so oft) gebrauchter Klamotten und liebevoll gepolsterten TimTam-Keksen auf dem Seeweg von Australien nach Deutschland.

Fiji ist wunderschön, paradiesisch nahezu. Die Preise waren allerdings nicht so paradiesisch, denn wer (uninformiert wie wir) Schnäppchen wie in Asien erwartet wird bitter enttäuscht. Die Preise ähnelten eher australischen (und fast schon europäischen) Standards und so zahlte man selbst mitten im pazifischen Nirgendwo fünf Euro für einen Cocktail. Naja vielleicht auch drei oder vier, denn der politischen Unruhen in der Hauptstadt Suva schwankte der Wechselkurs mehr als unser Segelboot zwischen den Whitsunday Islands.

fiji
Inselidylle mit Hängematte

Wir starteten unsere Reise mit einer fünfstündigen Fährenfahrt von Nadi, der einzigen Stadt mit internationalem Flughafen und ohne aktueller politischer Unruhen, Richtung Norden. Da Fiji aus über 300 Inseln besteht haben wir uns auf eine Inselgruppe beschränkt, die Yasawas. Wir haben uns in Etappen wieder zurück nach Nadi bewegt und uns drei Inseln in sechs Tagen angeschaut. Die letzte Insel, South Sea Island, erfüllte zumindest von Weitem eindeutig das Klischee der einsamen Insel:

southsea
Kleine, feine Südseeinsel

In weniger als 10 Minuten haben wir sie zu Fuß umrundet! Die einsame Idylle hatte jedoch am nächsten Tag ein Ende. Nur 30 Fährminuten von der Hauptinsel entfernt entpuppte sie sich als beliebtes Ziel für Tagesausflüge und so mussten wir unsere Südseeinsel statt mit 30 Leuten in der Nacht (übrigens alle in einem Zimmer!) mit gefühlten 350 am Tag teilen. In Wirklichkeit waren es vermutlich um die 80 Personen, aber wie gesagt, der Platz war begrenzt. Zum Glück hielt sich ein Großteil stets im oder unter Wasser auf.

wolkenDramatische Licht- und Schattenspiele statt strahlendem Sonnenschein

Ein Highlight war für mich auf jeden Fall die Mantelrochenjagd; wieder so ein schönes deutsches Wort für das die englische Sprache drei Wörter benötigt. Und das ging so: Morgens um 9 machten sich zwei kleine Motorboote mit Gästen des Resorts (Backpacker-Billigresorts, versteht sich) auf, um uns die riesigen Rochen zu zeigen. Fertig mit Taucherbrille, Schnorchel und Flossen saßen wir also auf dem Boot und hielten Ausschau nach dunklen Schatten im glasklaren türkisen Wasser; das allein war schon atemberaubend! Da sich die Rochen anscheinend gut vor uns versteckten (unmöglich eigentlich), gingen wir erstmal so schnorcheln und schauten uns die bunten Fische aus der Nähe an.

Als wir wieder auf dem Boot saßen und ein Stück weiter gefahren waren, schrie unser Fahrer plötzlich aufgeregt “Manta, manta!!” und zeigte ein Stück von ihm entfernt ins Wasser. Dann sprangen alle wie die Verrückten ins Wasser, um einen Blick auf die Rochen, die zu zweit unterwegs waren, zu erhaschen. Es war eine Jagd im wahrsten Sinne des Wortes und anstrengender als so mancher Kurs im Fitnessstudio. Ich hatte großes Glück, denn die beiden riesigen Rochen schwammen direkt unter mir durch. Ganz schön gruselig, das kann ich euch aber sagen! Einen habe ich sogar, zumindest teilweise, mit der begrenzt brauchbaren Unterwasserwegwerfkamera (24 Buchstaben!) erwischt:

rochen‘Fliegender Teppich’ mit drei bis vier Metern Durchmesser

Trotz gelegentlicher Regenschauer hat mir Fiji sehr gut gefallen und obwohl die Dorfbewohner eindeutig nett zu uns waren, damit wir unser Geld in ihre Souvenirs investieren waren sie und auch die Angestellten der Resorts sehr freundlich und hilfsbereit. Als Deutsche/r macht einem nur eins zu schaffen: Die unglaubliche Gelassenheit. Die Uhren in Fiji ticken eindeutig langsamer als sonstwo und ins Restaurant geht man am besten zwei Stunden bevor man hungrig sein könnte.

Mal eben >> Gebärmutterhalskrebsimpfung

Saturday, June 16th, 2007

Heute mal ein ernstes Thema. Was dauert 6 Monate und kostet 500 Euro? Eine Semester lang studieren oder die Gebärmutterhalskrebsimpfung (so ein Wort kann es auch nur im Deutschen geben)!

Gestern war ich bei der Höhlenforscherin und wir haben über die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs gesprochen. Das ist die zweit häufigste Krebsart bei Frauen. Die Impfung wirkt zwar nicht gegen alle Auslöser, aber gegen die meisten. Mal eben gegen Krebs impfen? Gute Sache eigentlich. Nicht so gut ist meine Krankenkasse, die will das nämlich nicht bezahlen. Einige andere auch nicht, jedenfalls nicht wenn das “Kind” über 17 Jahre alt ist. Der Impfstoff ist aber bis zum 26. Lebensjahr zugelassen und Sinn macht es eigentlich für alle Frauen, sagt meine Ärztin.

Der Spaß ist ganz schön teuer, drei Spritzen für 500 Euro. Und selbst die Kassen, die es bezahlen, erstatten den Betrag oft erst nach der letzten Spritze. Die gibt’s sechs Monate nach der ersten (und dazwischen noch eine zwei Monate nach der ersten). Das heißt: 500 Euro ein halbes Jahr vorstrecken. Ist der Papa Chefarzt oder die Mama Top-Managerin, ist das ja kein Thema. Aber für die am meisten gefährdete Gruppe, so meine Ärztin, ist das unmöglich. Vor allem, wenn mehrere Töchter zu impfen sind. Vielleicht ist es Zwei-Klassen-Denken, aber diejenigen, die es sich diese Impfung im Moment leisten können, sind diejenigen, die sowieso regelmäßig zur Untersuchung gehen und sich - falls sie überhaupt häufig wechselnde Partner haben - verantwortungsbewusst schützen. Im Sommer wird ein zweiter Impfstoff zugelassen, für “ältere Frauen”. Vielleicht tut sich dann ja was bei den Krankenkassen. Im Moment, so meine Ärztin, sieht es jedenfalls nicht so aus, als würde man mit der Impfung die Zahl der Erkrankungen beachtlich senken.

Auch Männer können sich impfen lassen, aber das zahlen die Kassen erst recht nicht. Mit der Begründung: “Wenn sowieso alle Mädchen geimpft sind, brauchen wir ja die Jungs nicht impfen”.

Die verbotene Kirschmarmelade

Thursday, May 3rd, 2007

Mittwochs von 10-11 Uhr gehe ich zum Tanzkurs. So also auch gestern. Danach duschen bei Henning und Sushi essen gehen, das war der Plan. Als ich zur Tür reinkomme, ist der Herr am Schreibtisch beschäftigt und hat mittelschlechte Laune. Ich frage:

Kann ich mir Zeit lassen beim Duschen?
Wieso?
Du rechnest doch. Dann wasche ich mir die Haare.
Mach doch.
Das dauert dann aber was. Mit fönen und so.
Bei dir dauert es doch eh.
Ich bin halt eine Genießerin.
Jetzt geh duschen!

Ich dusche ziemlich schnell, meine Haarspülung ist nämlich leer. Dazu knurrt mein Magen schon so laut, dass ich es heute einfach nicht genießen kann. Ich komme also schnell wieder aus dem Bad und laufe geradewegs zum Kühlschrank. Dann befördere ich ein Toastbrot in den Toaster und verkünde:

Die Kirschmarmelade sieht so lecker aus! Ich ess’ eben einen Toast.
Du kannst nicht die Kirschmarmelade essen!!!
Nein? Wieso nicht?
Die ist noch zu.
Na und? Dann mach ich sie eben auf.
Die andere ist aber noch nicht leer.
Welche andere? Die Erdbeermarmelade?
Ja.
Ich will aber Kirschmarmelade.
Gibt’s jetzt nicht.
Doch!
Nein!
Warum nicht? Man kann doch zwei offene Marmeladengläser haben.
Ich esse aber nicht so oft Marmelade.
Aber ich.
Dann iss doch die alte.
Ich möchte aber lieber KIRSCHmarmelade.
Dann wird die andere aber schlecht.
Ja, weil du sie nicht isst. Du brauchst noch ein halbes Jahr, bis die leer ist. So lang warte ich nicht. Ich kauf dir eine neue.
Darum geht’s ja nicht! Warum willst du überhaupt ein Toastbrot, wir gehen doch gleich essen?
Ich hab aber jetzt Hunger.
Marmeladenbrote vor Sushi machen einen doofen Geschmack im Mund.
Ist mir egal. Darf ich jetzt?

Nein!
Die Marmelade ist dir wichtiger als ich!
Quatsch!
Deine Aufgabe ist zu sagen: Alles was du willst, mein Schatz. Gehen wir jetzt?

Da schüttelt er nur noch den Kopf und wir gehen essen…

(Siehe auch: Hennings Gegendarstellung und das offizielle Kopfschüttel-Blog)