Archive for June, 2007

Bahngeschichten.

Thursday, June 28th, 2007

Diesmal geht es nicht (nur) um die Verspätung, versprochen. Einmal Hamburg und zurück, da sammelt sich so einiges an. Abgesehen davon habe ich letzte Woche aus Versehen einen Ausflug nach Kohlscheid gemacht. Das fand Henning sehr witzig, ich aber nicht und überhaupt ist das eine andere Geschichte.

Bahn

Verwirrung am frühen Morgen

Montagmorgen, neun Uhr am Kölner Hauptbahnhof, Gleis 4. Eine große, verzweifelt aussehende Frau mit strohigen, braun-blond-schwarzen Haaren kommt auf mich zu gerannt und fragt in gebrochenem Deutsch:

Welche Nummer die Haare?
Ähh. Wie bitte?
Ihre Haare. Die Nummer!
Meine Haare?
Ja, welche Farbe?
Naja. Braun!?
Aber welche Nummer?
Nummer???
Ich will auch diese Farbe, welche Nummer?
Ah, beim Frisör, die Nummer der Färbung. Keine Ahnung, tut mir leid…

Eine Durchsage an die stehenden Gäste

Unglaubliches auf dem Weg zurück nach Köln. Ich bin froh einen Platz reserviert zu haben, aber es sind noch ein paar vereinzelte Sitze frei. Ununterbrochen werde ich beim NEON-lesen und generellem Nachdenken gestört, weil das Zugpersonal uns etwas mitteilen will. Die Passagiere werden zum Beispiel im 20-Minuten-Takt über die derzeitige Verspätungssituation aufgeklärt und erhalten Informationen über Anschlusszüge, die sie leider nicht mehr erreichen werden. Doch dann mal etwas anderes:

“Eine Durchsage an die stehenden Gäste in Wagen 6 und 7. In den Wagen 8, 9 und 10 sind noch 110 Plätze frei. Ich wiederhole: In den Wagen 8, 9 und 10 sind noch 110 Plätze frei. Wagen 11 ist sogar fast leer.”

Schöne Verspätung

Erwähnen muss ich sie doch. Insgesamt hab ich an zwei Tagen 75 Minuten Verspätung abgekriegt. Für einen Teil davon bin ich ausnahmsweise dankbar. Der IC hat nämlich meine Wartezeit in Köln vertrödelt und kam genau so in Köln an, dass ich den ebenfalls verspäteten Regionalexpress nach Aachen noch so gerade erwischt habe. Und weil der Bahn die Verspätung von schnellen Zügen wohl peinlicher ist als die von Bummelzügen, gab es sogar Kaffee umsonst. Da kann ich ja gar nicht mehr böse sein.

Mal eben >> Gebärmutterhalskrebsimpfung

Saturday, June 16th, 2007

Heute mal ein ernstes Thema. Was dauert 6 Monate und kostet 500 Euro? Eine Semester lang studieren oder die Gebärmutterhalskrebsimpfung (so ein Wort kann es auch nur im Deutschen geben)!

Gestern war ich bei der Höhlenforscherin und wir haben über die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs gesprochen. Das ist die zweit häufigste Krebsart bei Frauen. Die Impfung wirkt zwar nicht gegen alle Auslöser, aber gegen die meisten. Mal eben gegen Krebs impfen? Gute Sache eigentlich. Nicht so gut ist meine Krankenkasse, die will das nämlich nicht bezahlen. Einige andere auch nicht, jedenfalls nicht wenn das “Kind” über 17 Jahre alt ist. Der Impfstoff ist aber bis zum 26. Lebensjahr zugelassen und Sinn macht es eigentlich für alle Frauen, sagt meine Ärztin.

Der Spaß ist ganz schön teuer, drei Spritzen für 500 Euro. Und selbst die Kassen, die es bezahlen, erstatten den Betrag oft erst nach der letzten Spritze. Die gibt’s sechs Monate nach der ersten (und dazwischen noch eine zwei Monate nach der ersten). Das heißt: 500 Euro ein halbes Jahr vorstrecken. Ist der Papa Chefarzt oder die Mama Top-Managerin, ist das ja kein Thema. Aber für die am meisten gefährdete Gruppe, so meine Ärztin, ist das unmöglich. Vor allem, wenn mehrere Töchter zu impfen sind. Vielleicht ist es Zwei-Klassen-Denken, aber diejenigen, die es sich diese Impfung im Moment leisten können, sind diejenigen, die sowieso regelmäßig zur Untersuchung gehen und sich - falls sie überhaupt häufig wechselnde Partner haben - verantwortungsbewusst schützen. Im Sommer wird ein zweiter Impfstoff zugelassen, für “ältere Frauen”. Vielleicht tut sich dann ja was bei den Krankenkassen. Im Moment, so meine Ärztin, sieht es jedenfalls nicht so aus, als würde man mit der Impfung die Zahl der Erkrankungen beachtlich senken.

Auch Männer können sich impfen lassen, aber das zahlen die Kassen erst recht nicht. Mit der Begründung: “Wenn sowieso alle Mädchen geimpft sind, brauchen wir ja die Jungs nicht impfen”.

Gedankliche Erschöpfung im Zug

Monday, June 4th, 2007

Studenten im Zug. Da gibt es solche und solche. Nämlich solche, die etwas mehr oder weniger sinnloses tun (aus dem Fenster gucken, Musik hören) und solche, die etwas sinnvolles tun (lesen, vielleicht sogar etwas, das bildet). Heute auf dem Weg nach Köln gehörte ich zur zweiten Gruppe. Die natürlichen Feinde dieser Studenten, die gerade so stolz auf sich sind, weil sie etwas sinnvolles tun, sind Menschen, die wahlweise gerade telefonieren oder ihre Klingeltöne ausprobieren und Kleinkinder.

Auf halber Strecke höre ich quasi schon bei der Einfahrt in den Dürener Bahnhof das Stimmorgan eines männlichen Grundschulkindes. Ich denke: “Bitte woanders einsteigen, bitte woanders… bitte weiter durch gehen, bitte weiter durch…” SEUFZ - zu spät, es sitzt fast neben mir. Es hat nicht nur seine Mutter mitgebracht, sondern auch eine weitere Mutter mit einem noch kleineren, rosa gekleideten Kleinkind. Die Mütter, oder zumindest eine, ist taub(?)stumm, sie kommunizieren in der Gebärdensprache. Währenddessen singt die kleine Nervensäge lauthals und spielt lautstark mit der Klappe des kleinen Metallmülleimers. Die Kleine in rosa fühlt sich sichtlich unwohl und brabbelt ihren Unmut quengelig vor sich hin. Das war’s dann wohl mit Lesen.

so viele Bücher so wenig Zeit
Dafür gab es in der Bibliothek genug zu lesen.

Auf der Rückfahrt bestätigt sich mein Verdacht: Züge haben nur dann Verspätung, wenn man auf dem Gleis steht und auf sie wartet. Ich erreiche den Bahnhof nur 6 Minuten nach der planmäßigen Abfahrt und Tatsache - der Bummelzug ist schon weg. Dafür hat mich die Regionalbahn der Linie 9 tief beeindruckt. Die stand schon 10 Minuten vor der Abfahrt bereit. Service bei der Deutschen Bahn! Störfaktoren tauchten bei der Rückfahrt auch nicht auf. ABER - wahrscheinlich nur deshalb nicht, weil ich mich diesmal vor lauter gedanklicher Erschöpfung mit sinnlosen Tätigkeiten beschäftigt habe.