Die Postfiliale meines Vertrauens hat umgebaut. Jetzt wird man persönlich begrüßt mit den Worten “Wenn sie an den Schalter wollen, müssen sie ein Nümmerchen ziehen”, weil man nämlich sonst am Nümmerchen-Automaten vorbeiläuft. Es gibt auch einen neuen Kaffee-Automaten, um die Zeit bis zum richtigen Nümmerchen zu verkürzen und einen Münzen-Einzahlautomaten. Automaten sind toll, wenn sie denn funktionieren.
Der Münzen-Einzahlautomat kommt Leuten wie mir wie gerufen. Kleingeld macht mein Portemonee schwer und wenn ich es an der Kasse zusammenkrame, werde ich ganz nervös. Deshalb werfe ich es zuhause in ein großes Glas. Da ich heute eh zur Post musste, hab ich mir mein gesammeltes Kleingeld geschnappt, um den Super-Automaten zu benutzen. Die Sammlung besteht übrigens nur aus 1-, 2- und 5-Cent-Münzen und wiegt mehrere Kilos.

Wer den Cent nicht ehrt…
Clever wie ich bin, hab ich erst ein Nümmerchen gezogen und mich dann mit der Einzahlung beschäftigt. 31 wartende Kunden vor mir (das teilte mir das Warte-Nümmerchen mit) sollten wohl reichen, um Geld in einen Automaten zu schmeißen. Also schnell die Postbank-Karte in den Automaten gesteckt und rein damit. Ratter, ratter. Dann ein Geräusch, das jeden Kasinogänger zum jauchzen gebracht hätte: mit lautem Geklimper fällt das ganze Kleingeld unten wieder raus. Es gleicht einem Wunder, dass es sich nicht über den Fußboden verteilt - das Münzenausgabefach ist voll bis obenhin.
“Entschuldigung, kommense mal bitte, hier funktioniert was nicht” oder sowas ähnliches rief ich einer Mitarbeiterin verzweifelt zu. “Sie müssen auf WEITER klicken, sonst wird der Vorgang abgebrochen”, informiert sie mich aus der Ferne (neben dem Nümmerchen-Automaten). Nagut, also nochmal. Geld wieder rein. Wie gut, dass man aus dem Münzenausgabefach jedes Mal nur 5-6 Münzen auf einmal rausfischen kann. Hinter mir hat sich mittlerweile schon eine Schlange gebildet - vielleicht ist 17 Uhr auch nicht die optimale Zeit für solche Testversuche - und ich werde fast so nervös wie beim Kleingeld-Zusammenkramen an der Kasse.
Jetzt weiß ich ja, wie es geht. Geld hinein, Klick auf “Weiter” und tatsächlich, mein Geld wird gezählt. Ich erhalte eine Einzahlungsquittung über 4,62 Euro und - RATTER RATTER KLIMPER KLIMPER - das ganze Zeugs fällt mir schon wieder entgegen. Hinter mir wird schon geseufzt. Spätestens jetzt gleicht meine Gesichtsfarbe der einer reifen Tomate. Die Nümmerchen-Automaten-Dame kommt gleich angerannt und versteht es auch nicht. “Gleich kommt jemand!” verspricht sie mir und ich lasse lieber mal ein paar Leute vor. Dann kommt eine andere gelbgekleidete Mitarbeiterin und murmelt Dinge wie “manchmal muss man das mehrmals reinwerfen” und “vielleicht war es zuviel auf einmal”.
Außerdem glaubt sie, dass der Automat ja nun schon 4,62 Euro von mir angenommen hätte. Das glaube ich aber nicht, denn die Menge und das Gewicht der Münzen fühlen sich genauso an wie vorher. Wir werfen also zusammen ein paar Mal ein bisschen Geld hinein (Leute seufzen lauter), aber alles ohne Erfolg. Rattern und Klimpern zu Genüge und ich fühle mich fast wie ein Kasino-Gewinner, als ich zum fünften Mal mit vollen Händen das Münzenausgabefach leerräume. Die Kilos habe ich wieder mit nach Hause geschleppt und vielleicht habe ich ja jetzt 4,62 Euro auf dem Konto und in der Handtasche - dann wäre es tatsächlich ein bisschen wie im Kasino.