Archive for February, 2009
Campus-Eindrücke
Friday, February 27th, 2009Mein Zuhause
Friday, February 27th, 2009Wohnungssuche Teil 3
Wednesday, February 25th, 2009Am Sonntag habe ich meine fünfte und letzte Wohnung besichtigt. Das heißt zwar nicht, dass ich sie genommen habe, aber immerhin ist Sydney jetzt wieder mein Freund. Ich war richtig sauer auf diese Stadt, weil die Wohnungssuche so umständlich und alles so weit weg von meiner Uni ist. Am Sonntag habe ich also wie immer versucht, etwas früher an der Wohnung sein, um mir vorher noch die Umgebung anzugucken. Und wie immer hat das nicht funktioniert. Um 13 Uhr bin ich los gegangen, der Bus kam gute 20 Minuten zu spät um 13.30, um 14.00 bin ich das erste Mal umgestiegen, um 14.20 das zweite Mal, um 14.45 war ich in der Gegend, in die ich wollte, aber nicht an der am nächsten gelegenen Bushaltestelle. Der Bus dorthin fährt nämlich sonntags nicht. Großartig. Ich habe 15 Minuten zu Fuß gebraucht und sollte um 15 Uhr da sein. Immerhin nicht zu spät.
Die Wohnung lag in Mosman, einer der schönsten und reichsten Stadtteile Sydneys. Ich musste spontan an Blankenese denken. Es liegt direkt am Wasser, gegenüber vom Opernhaus und der Innenstadt. Mosman ist unglaublich grün, überall wachsen Palmen. Die Häuser sind auf kleinen Hügeln verstreut und manche haben Ausblick auf den kleinen Hafen von Mosman oder sogar auf Sydney City. Einen Strand gibt’s auch in der Nähe und viele Restaurants und Cafés. Klingt toll, oder? War auch toll. Mein Mitbewohner wäre Scott gewesen, ein 34-jähriger Filmstudent, der gerade einen professionellen Film dreht. Endlich mal ein Australier! Und ihr könnt es euch nicht vorstellen, die Wohnung war echt abgefahren, überall an der Wand hingen Skizzen von Kameraeinstellungen und Fotos von den Darstellern. Da hatten wir jedenfalls gleich ein gutes Gesprächsthema und er war auch sehr nett. Das Zimmer selbst bestand leider nur aus einem Bett und einem kleinen Schrank. Ich habe mich schweren Herzens aus zwei Gründen gegen diese Wohnung entschieden, erstens brauche ich einen Schreibtisch und zweitens sind zwei Stunden Anfahrtsweg zur Uni einfach zu weit, da hilft auch keine Hafenaussicht.
Nach der Besichtigung bin ich von Mosman aus mit der Fähre, zusammen mit vielen grauhaarigen Damen und Herren, in die City gefahren. Ich kam mir vor wie im Film und in meinem Bauch hat es ganz schön gekribbelt. Die Sonne schien, der Wind wehte mir um die Nase und ich bin auf den Hafen einer der tollsten Städte der Welt zugefahren. Das war schon ein Luxus, an den ich mich gerne gewöhnt hätte. Aber genug geschwärmt.
Bevor ich Scott abgesagt habe, war ich im Accommodation Office und habe nach einem Zimmer in den Uni-Apartments gefragt. Ich hatte Glück. Und sollte die gesamte Miete auf einmal bezahlen. Wie studentenunfreundlich ist das denn!? Das Limit meiner Kreditkarten ist zu niedrig und normalerweise habe ich auch keine 2000 Euro Bargeld bei mir. Mit Hilfe von Papa hat es dann aber doch geklappt und ich habe mir die Bude gleich mal angesehen. Es ist eine WG mit drei Zimmern, davon ist eins ein Doppelzimmer. Dort wohnen Liz aus Kanada und Shanna aus den USA. Das dritte Zimmer ist noch frei. Außerdem gibt’s ein Wohnzimmer, eine Küche und einen winzigen Balkon. Im Vergleich zu dem hotelähnlichen Residential College, in dem ich vorher war, ist es schon ein bisschen schäbbiger. Die Haustür klemmt, die Möbel sind schon sehr alt, die Wand ist dreckig und ich blicke jetzt nicht mehr auf eine ruhige Wiesen- und Palmenlandschaft, sondern auf eine große Straße. Aber die Mädels sind nett, es ist nah zur Uni und ich kann mir endlich selbst was zu essen machen. Mich wurmt es nur ein bisschen, dass ich „aufgegeben“ habe. Aber dafür habe ich interessante Erfahrungen gemacht und Teile von Sydney gesehen, in die ich sonst wahrscheinlich nie gefahren wäre.
Wohnungssuche Teil 2
Sunday, February 22nd, 2009Der Freitag sollte leider nicht besser enden, als er angefangen hatte. Zwei weitere Wohnungsbesichtigungen waren vereinbart und beide hörten sich ziemlich gut an. Die erste Wohnung war zumindest auch ganz in Ordnung. Sie lag in North Ryde, in der Nähe von der Uni. Ich hatte mit John telefoniert, der sich sehr nett anhörte. War er auch, aber er war auch ungefähr 20 Jahre älter, als ich es mir vorgestellt hatte. Er wohnt in einem kleinen Häuschen und vermietet zwei Zimmer mit Vorliebe an internationale Studenten, um die nachher auf der ganzen Welt zu besuchen. Das Wohnzimmer roch nach Räucherstäbchen und das freie Zimmer war groß und möbliert, wenn auch nicht nach meinem Geschmack. Leider liegt das Haus ziemlich abseits in einer ruhigen Wohngegend – zu ruhig. Außerdem will ich lieber mit jungen Leuten zusammen wohnen, im besten Fall mit Australiern. Aber das habe ich ja schon fast aufgegeben. Wie auch immer, es fühlte sich dort nicht richtig an.
Abends machte ich mich dann auf den Weg, um die zweite Wohnung anzusehen. Diese lag, wie die allererste auch, in Chatswood. Es fing schon schlecht an, der Bus hat statt 30 Minuten fast 60 Minuten gebraucht, weil so viel Verkehr war. Die Wohnung wurde mit den Worten „share nearly new house, 2 males, 2 females“ und der Aufforderung, einen Phillip anzurufen, angepriesen. Als ich am Telefon mit jemandem sprach, der schlecht Englisch sprach, hätte ich wahrscheinlich schon misstrauisch werden sollen. Ach was, ein asiatischer Mitbewohner macht ja nichts, Phillip war wohl gerade nicht da! Schließlich klingt der Name ja nicht besonders asiatisch. Ihr ahnt, was kommt. Ein Asiate öffnete mir die Tür und zeigte mir das „nahezu neue Haus“. Nicht nur lag ein Duft wie im Chinarestaurant in der Luft und ein abgeranzter Teppich auf dem Boden, das Badezimmer hätte dreckiger nicht sein können. Als ich nach der Küche fragte, zögerte er kurz, führte mich dann in einen anderen Raum. Dort saßen, inmitten der Unordnung, seine Eltern (!!) am Küchentisch und schauten mich verwundert an. Dass ich dort unter überhaupt gar keinen Umständen wohnen werde, liegt wohl auf der Hand.
Ihr denkt jetzt sicher, dass es doch nicht so schwierig sein kann. Aber es gibt stündlich neue Einträge auf den Mitbewohner-Webseiten und die meisten enthalten nur sehr wenige Informationen. Das wohl größte Problem ist, dass ich mich in Sydney noch nicht gut auskenne und weder weiß, welche Stadtteile empfehlenswert sind, noch, wie ich da hinkomme. Es gibt nur wenige Bahnverbindungen, ähnlich unserer S-Bahn, und dafür ein sehr großes, dichtes und unübersichtliches Busnetz. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu naiv und sollte nicht so schnell aufgeben. Ich bin trotzdem kurz davor, aufzugeben. Heute schaue ich mir noch eine Wohnung an, die sich wieder mal gut anhört. Sie ist aber schlecht angebunden und wer weiß, welche Überraschung mich dort noch erwartet. Wer das wissen will, schaut am besten in den nächsten Tagen noch mal rein! Diesen und den letzten Beitrag habe ich uebrigens “offline” geschrieben und dann veroeffentlicht, denn so viel Zeit im Internet habe ich leider nicht. Mails werden beantwortet, sobald ich eine feste Bleibe habe, versprochen!!
Es hört sich jetzt wohl alles schlimmer an, als es ist. Ich muss mich eben erstmal orientieren. Leider habe ich ein bisschen Zeitdruck, da ich bald aus dem Wohnheim ausziehen muss. Ich werde mich am Montag erkundigen, ob in den Uni-Apartments noch ein Zimmer für mich frei ist. Das sind auch Wohnheime, aber dort sind die Zimmer in einzelne WGs mit Küche unterteilt. Im Moment lebe ich wie im Hotel mit Vollverpflegung. Aber so ein Apartment wäre schon in Ordnung, dass es die gibt, wusste ich vorher irgendwie nicht. Es dauert nur leider mindestens 50 Minuten bis in die Innenstadt. Den Traum von der WG zwischen Uni und City muss ich wohl begraben. Campus-Unis haben so ihre Nachteile.
Abi-Gag im Wohnheim
Sunday, February 22nd, 2009Als wäre die Wohnungssuche noch nicht anstrengend genug, nein, am Freitag wurden meine Nerven aufs Übelste strapaziert. Um 8 Uhr morgens ging hier im Wohnheim der Feueralarm los. Völlig verwirrt bin ich aufgestanden (der Wecker sollte erst um 9 klingeln), hab mir schnell einen Pulli übergezogen und bin raus gegangen – in der Hoffnung, dass es falscher Alarm sei und ich schnell wieder ins Bett gehen könnte. Dann standen wir also alle draußen und fragten uns, was passiert ist. Nach etwa 20 Minuten wurden wir von den Betreuern im Wohnheim aufgefordert, zum Campus zu gehen. Zum Campus? Im Schlafanzug? Warum das denn? Keine Antwort.
Meine Laune war natürlich auf dem absoluten Tiefpunkt. Nachdem ich einen der Betreuer eine Weile angemeckert hatte, meinte er, wir würden jetzt ein Training absolvieren, um zu lernen, was im Ernstfall zu tun sei. Ahja, und das muss morgens um halb neun, im Schlafanzug mit ungeputzten Zähnen stattfinden? Oh Mann. Ihr glaubt nicht, wie unangenehm es mir war, so über den Campus zu laufen. Aber das Beste kommt ja noch. Vor der Bibliothek wartete eine Art Fitnesstrainer auf uns, der uns dazu zwang, in aller Öffentlichkeit (im Schlafanzug!) Liegestütze zu machen und im Kreis zu laufen (im Schlafanzug!). Da hab ich aber nicht mitgemacht, ich hab mich erstmal in die Bibliothek auf die Toilette verkrümelt, da musste ich sowieso dringend hin. Dann ging es wieder zurück zum Wohnheim. Aber damit nicht genug.
Als wir wieder am Wohnheim ankamen, etwa um 9 Uhr, war das ganze Ding verbarrikadiert und die Studenten, die dort schon länger wohnen, bewarfen uns mit Wasserbomben und hielten uns mit Wasserschläuchen vom Gebäude fern. Da habe ich dann auch langsam kapiert, was das Ganze überhaupt soll und fühlte mich spontan an alte Abi-Zeiten erinnert. Ich fand es nur leider überhaupt gar nicht witzig. Ich habe es dann aber, im Gegensatz zu den anderen Neulingen, trocken in mein Zimmer geschafft, da ich einen Wächter davon überzogen konnte, dass ich ja gar nicht richtig da wohne. Findet mich alt und spießig, aber für sowas bin ich nun wirklich zu alt. Und wenn man es sich mal genau überlegt, ist es ja auch ziemlich gefährlich, einen Feueralarm für sowas zu missbrauchen. Wie auch immer, ich kann es kaum erwarten, hier auszuziehen!