Archive for March, 2009

Ein Tag am Meer

Tuesday, March 31st, 2009

Genau genommen waren es drei Tage. Aus Zeitmangel heute nur ein paar Strandbilder:

Auf die falsche Bahn geraten

Tuesday, March 24th, 2009

Nein, ich habe mich nicht verschrieben und einen feststehenden Ausdruck durcheinander gebracht (ich erinnere an: “Iss noch was, sonst fällst du uns noch vom Pferd!”). Ich bin also nicht auf die schiefe, sondern wirklich auf die falsche Bahn geraten. Und das kam so:

Als ich heute von der Uni kam, war ich so müde, dass ich beim gemeinsamen Simpsons-gucken mit meinen Mitbewohnerinnen vor dem Fernseher eingeschlafen bin. Danach war ich so vermatscht, dass ich unbedingt sofort schwimmen gehen wollte. Schließlich hatte ich das großartige Außenbecken auf dem Campus noch nicht ausprobiert:

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Das Sportcenter ist jedoch am anderen Ende des Campusses, mindestens 20 Minuten zu Fuß. Also habe ich meine amerikanische Mitbewohnerin Tyler dazu überredet, mitzukommen. Im Schwimmbad haben wir noch unsere Kanadierin Liz getroffen, die dort Training hatte. Wir haben uns also die Schwimmbahn ausgesucht, auf der die wenigsten Leute unterwegs waren und sind gemütlich nebeneinander geschwommen, um uns dabei zu unterhalten. Nun muss man wissen, dass das hier anders abläuft als zuhause. Wenn ich in Köln schwimmen gehen will, muss ich - je nach Begleitung - schon aufpassen, dass nicht nur geplanscht sondern auch ein bisschen ernsthaft geschwommen wird. Hier gibt es jedoch kein Geplansche, hier schwimmt jeder ernsthaft seine Bahnen.

Auf unserer Bahn schwamm also einer dieser Schwimmer mit schicker Schwimmbrille, durch die wir seinen Gesichtsausdruck nicht erkennen konnten. Aber wir konnten die Gesichter der Menschen sehen, die neben dem Becken standen. Zum Beispiel das von Liz, die uns doch tatsächlich auslachte. Zuerst dachten wir noch, es läge an unserem nicht ganz so perfekten Schwimmstil, aber nein. Wir hatten leider das Schild “fast lane” (Schnellschwimmerbahn) übersehen. Schnell sind wir also zur “slow lane” rübergeschwommen. Nur um dann festzustellen, dass es auch eine “recreational lane” (Freizeitbahn) gibt. Dort waren wir dann wohl noch besser aufgehoben.

Links vor Rechts

Friday, March 20th, 2009

Sie essen konzentrierten Hefeextrakt, verbringen ihre Freizeit auf Plastikbrettern im Meer und machen sich meistens keine Sorgen - aber wenn man im Treppenhaus auf der rechten Seite geht, dann wird man böse angeguckt.

“Linksverkehr, na und”, das hab ich in Deutschland gedacht und war fest entschlossen, mir hier hin und wieder mal ein Auto zu mieten. Aber es sind ja nicht nur die Autos, es fängt schon beim Gang zum Einkaufscenter an. Gehen auf der linken Seite des Bürgersteigs und stehen auf der linken Seite der Rolltreppe müssen auch erstmal gelernt werden. Auch das Überqueren von Straßen kann gefährlich werden, denn regelmäßig gucke ich zuerst in die falsche Richtung. Aber zum Glück bieten die Australier für rechtsorientierte Studenten und Touristen, nämlich vor allem in Campusnähe und der Innenstadt, Hilfestellung:

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Buschspaziergang.

Monday, March 16th, 2009

Bushwalk. So nennt man das hier, wenn man über Felsen klettert, fast in Spinnennetze rennt, einen Golfplatz und einen Schießplatz überquert oder zur Abwechslung mal einen ganz normalen Küstenweg entlang läuft. Der Fakt, dass die Universität kurz vor dem Ausflug am Samstag die Zusammenarbeit mit dem Wanderführer Matt beendet und den Bushwalk abgesagt hat, hätte mich vielleicht stutzig machen sollen. Über Facebook verbreitete eben dieser Matt aber höchstpersönlich, dass die Wanderung trotzdem stattfinde - auf eigenes Risiko eben. Als Grund für das Ende der Zusammenarbeit wird sein Zusammenbruch bei der letzten Wanderung vermutet - die Universität musste den Rücktransport der 20 Studenten per Taxi bis zur schätzungsweise 20 km entfernten Bildungseinrichtung bezahlen.

Wie auch immer, am Samstag um 8.15 Uhr trafen sich etwa 15 Studenten und Wanderführer Matt am vereinbarten Treffpunkt und machten sich auf, mit öffentlichen Verkehrsmitteln die gesamte Stadt bis zum südlichsten Zipfel zu durchqueren. La Perouse bis Coogee Beach (17 km), das sollte unsere Strecke sein. Als wir nach gefühlten 3,5 Stunden (es waren wohl um die 2 Stunden) endlich dort waren, wäre es ja meiner Meinung nach schon ein guter Zeitpunkt für die Mittagspause gewesen, schließlich hatte ich etwas ganz besonderes in meiner Tasche: deutsches Brot!

Matt erwies sich als seltsamer und besonders ironischer Gesprächspartner. Er schien besessen von der Idee, dass Koala Bären in Wirklichkeit “Drop Bears” (herunterfallende Bären) seien. Diese bösartigen Kreaturen lassen sich angeblich mit Vorliebe auf Touristen fallen, die sie dann erwürgen. Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob er die Bezeichnung “Wanderführer” wirklich verdient hat, denn scheinbar hatte er überhaupt keine Ahnung, wo der Wanderweg verlaufen sollte. Wir kehrten mehrmals um und verirrten uns schließlich auf einen Golfplatz. Dort wurden wir unfreundlich darauf hingewiesen, dass wir ein Privatgrundstück betreten hätten und dieses sofort verlassen müssten. Wir sollten aber auf fliegende Golfbälle aufpassen. Nach einem langen Umweg durch die umliegende Wohngegend und zum Glück ohne Golfballunglück setzen wir die Wanderung fort - bis wir plötzlich direkt neben einem Schießplatz standen und der einzige Weg geradewegs daran vorbei führte. Matt konsultierte seinen Reiseführer von 1975 und beharrte darauf, dass dies der richtige Weg sei. Wir fühlten uns wie auf dem Schlachtfeld und eine Kolumbianerin schwenkte schon einmal vorsorglich ein weißes T-Shirt.

Damit nicht genug, hinter dem Schießplatz war der Weg plötzlich zuende und wir mussten uns durch tiefstes Gebüsch kämpfen - “extreme bushwalking” sozusagen. Endlich kamen wir am Strand an, nicht etwa Coogee Beach sondern eine Bucht davor. Obwohl Matt uns die ganze Zeit mit der Aussicht, bald schwimmen zu gehen, gelockt hatte, war uns die Lust vergangen. Und die dunklen Wolken am unberechenbaren Himmel über Sydney waren dann auch der Grund für den Abbruch des Abflugs an der dieser Stelle.

Ich habe zwar immernoch kein Känguruh gesehen - sie scheinen eher wasserscheu zu sein - aber trotzdem war es schöner und auch lustiger, wenn auch ein etwas seltsamer Ausflug mit netten Leuten! Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, war das Wetter die meiste Zeit großartig und wir haben viele schöne Buchten und Landschaften gesehen. Ob ich mich aber kommenden Samstag wieder mit Matt in die Wildnis wage, muss ich mir noch genau überlegen.

Mein Alltag zwischen Dienstag und Donnerstag

Friday, March 13th, 2009

Einer meiner treusten Leser hat sich einen Bericht über meinen Alltag an der Uni gewünscht. Den soll er bekommen. Bilder vom Campus habe ich euch ja schon gezeigt. Ich muss nur dienstags und donnerstags zur Uni - das klingt schön, ist es auch, aber ich würde lieber öfter hingehen und weniger lesen müssen. Zunächst aber ein lobendes Wort: Im Gegensatz zu meiner deutschen Heimatuniversität ist die Macquarie University in Sydney sehr organisiert. Alles hat von Anfang an ohne Probleme geklappt. Zu Beginn habe ich in jedem Fach einen Unit Reader bekommen, beziehungsweise kaufen müssen. Darin befinden sich alle Texte, die ich im Semester lesen muss, sowie genaue Angaben über die einzelnen Prüfungsbestandteile und Art und Weise der Benotung.

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Meine Unit Reader (die Zahl steht für das Niveau des Kurses: 100-300er für Bachelor, 800er für Master)

Dienstags um 16 Uhr habe ich also meine erste Vorlesung zum Thema “Australian Media”. Da sitze ich mit ca. 400 anderen Studenten in einem riesigen Vorlesungssaal. Dazu gehört noch ein Tutorium mit etwa 20 Leuten, das donnerstags stattfindet. Diese und letzte Woche habe ich mich schon um 15 Uhr mit ein paar Mädels getroffen, die mit mir in der Vorlesung sitzen, um noch gemütlich einen Kaffee zu trinken. “Australian Media” ist ein Fach für Bachelorstudenten im ersten Jahr - es ist also nicht besonders schwierig und zumindest im Tutorial bin ich mit Abstand die Älteste (“Du bist 24? Cool! Aber keine Sorge, du sieht aus wie 21″).

Abends habe ich noch ein Seminar bis 21 Uhr. Es ist so spät, weil manche Studenten auch nur in Teilzeit studieren und tagsüber arbeiten gehen. Dieser Kurs, über den ich hier schonmal geschrieben habe, ist sehr arbeitsintensiv und anspruchsvoll. Aber dafür sitze ich neben netten Leuten zwischen ca. 22 und 30 Jahren aus allen Teilen der Welt.

Donnerstag ist mein langer Tag, ich habe um 9 Uhr eine Vorlesung zu “Intercultural Communication”, dann das Tutorium zu “Australian Media”. Mittags kann ich für zwei Stunden nach Hause und in Ruhe was essen - wie gut, dass ich am Campus wohne. Nachmittags hänge ich an den Lippen meines Professors für “Writing for International Business” - der Mann ist sehr kompetent, überzeugend und bringt mir genau das bei, was ich wissen will. In diesem Kurs muss jede Woche eine Gruppe die Diskussion leiten. Davor graut es mir schon, aber irgendwie wird es schon gehen. Der Kurs ist für Bachelorstudenten im letzten Jahr und eher praktisch ausgerichtet. Das Tutorium zu meinem zweiten Masterkurs, “Intercultural Communication”, findet direkt im Anschluss statt. Ich muss in fünf Minuten quer über den Campus rennen, um nicht zu spät zu kommen. Der Kurs ist eher unterhaltsam und besteht sozusagen aus interkultureller Kommunikation “learning by doing”, denn auch hier die Nationalitäten bunt gemischt. Dennoch wird die Theorie nicht vernachlässigt, auch für dieses Fach muss viel gelesen werden. Die Professorin heißt Sabine und ist Deutsche. Merkwürdig für uns - aber in Australien nennt man seine Dozenten beim Vornamen. Um 18 Uhr ist meine “Uniwoche” dann schon wieder vorbei.

Was mache ich also montags, mittwochs und freitags? Ihr denkt sicher, ich liege nur am Strand herum. Aber nein, ich lese, lese, lese… manchmal sogar in der Bibliothek. Und schon bald werde ich mit meinen Essays anfangen und Präsentationen vorbereiten. Zu allem Überfluss muss ich auch noch eine deutsche Hausarbeit fertig schreiben. Am Strand aber liege ich dann vor allem am Wochenende! Morgen gehe ich an der Küste entlang bushwalken - ich nehme an, das ist eine Art Wanderung durch die Natur - und ich freu mich sehr, wieder etwas mehr von Sydney zu sehen als nur die Vorlesungsgebäude.