„Une bouteille d’agua, s’il vouz plait“, gerade hat es in meinem Kopf noch Sinn gemacht. Aber dass Wasser in Frankreich eau und nicht agua, wie in Spanien, heißt, ist mir erst hinterher eingefallen. Ist aber auch egal, denn der durchschnittliche Franzose ist anscheinend zufrieden, wenn man es zumindest probiert mit dieser komplizierten Sprache, deren Grammatik einem mit zahlreichen Ausnahmen (und deren Ausnahmen) ununterbrochen Beinchen stellt. Nächstes Beispiel, „un café au lait y un muffin au chocolat, s’il vouz plait“. Ja genau, der aufmerksame Leser bemerkt den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen dem spanischen y und dem französischen et. Spätestens jetzt wird auch mir selbst bewusst, dass ich meine etwas verkümmerten Französischkenntnisse während den sechs wunderschönen Tagen in Südfrankreich hauptsächlich zum Herbei-ordern von Essbarem benutzt habe. Spanisch und Französisch sind sich eben einfach sehr ähnlich. Und überhaupt fällt mir immer alles zuerst auf Englisch ein – aber dass man es damit gar nicht erst versuchen sollte, habe ich bereits auf der Hinfahrt beim Umsteigen in Paris feststellen müssen, denn wer einen 5-Euro-Schein gewechselt haben möchte und nicht weiß, was „Münzen“ oder „Kleingeld“ auf französisch heißt, der hat eben Pech gehabt. Und als ich im TGV, dem französischen Schnellzug, keinen Wagen Nummer 6 auftreiben konnte, in dem sich mein reservierter Platz befinden sollte, musste ich recht lange überlegen, was nochmal „seize“ bedeutet, da der gelangweilte Mitarbeiter der Bahngesellschaft keine Reaktion auf mein richtig geratenes „sixteen?“ zeigte. Ich fand meinen Sitzplatz dann also im Wagen 16 – den guten Herrn darauf hinzuweisen, dass es vielleicht sinnvoll wäre die digitale Anzeige zu ändern, dafür reichten weder die Lust noch die Sprachkenntnisse.
Auch wenn ich die Grammatik gerne verfluche, den Klang der französischen Sprache mochte ich schon immer und ich habe, wie eigentlich auf der Sprache, ein paar Lieblingswörter (bei Gelegenheit mache ich mal eine Liste, ich mag Listen). In der Straßenbahn, pardon, der Metro, mochte ich jedenfalls „prochain arrêt“, das klingt hart und weich gleichzeitig und irgendwie harmonisch. Als ich darüber nachdachte, fiel mir ein, dass Durchsagen in Zügen und Straßenbahnen sowieso eine merkwürdige Faszination auf mich ausüben. Nach meinem Besuch im Reich der Mitte hallte mir die chinesische Durchsage – die bei jeder Haltstelle ertönte und vielleicht irgendetwas mit „Seinen Sie vorsichtig beim Aussteigen“ oder „Achtung, Achtung, Zug hält“ zutun hat – mit ihrem wohlklingenden Singsang noch lange nach und ich habe sie zwar nicht verstanden, aber zurück in Deutschland regelrecht vermisst. Und in Schweden faszinierte mich die Ansage, dass wir nun an der technischen Hochschule anhalten würden: „Nexta: Tekniska Högskolan“. So lange ich auch darüber nachdenke, in Australien ist mir nichts Derartiges im Gedächtnis geblieben.
Wer bis hierhin meine babylonisch verwirrten Sprachverirrungen durchgelesen hat, den interessiert vielleicht auch, was ich sonst so in Südfrankreich erlebt habe. Es waren sehr entspannte Tage und mit Julia, wenn auch nur temporär, zusammen zu wohnen war so schön wie eh und je! Zunächst gab es eine kleine Stadtführung durch Montpellier mit zwei leckeren Café au Lait. Die engen kleinen Gässchen haben mich wieder sehr entzückt und das von ockerfarbenen Häusern geprägte Stadtbild verrät einem gleich: Das kann nur Südfrankreich sein! Am nächsten Tag sind wir an den Strand gefahren und haben uns die frische Mittelmeerluft um die Nasen wehen lassen. Es war richtig schön sonnig und windstill und wir haben stundenlang herumgealbert und mit unseren Kameras, Seifenblasen, einem Sonnenschirm und bunten Schals experimentiert:
Am Samstag haben wir die französische Wirtschaft angekurbelt und waren ordentlich einkaufen. Dass es in Frankreich noch GAP gibt musste natürlich unterstützt werden! Wie viel Geld ich insgesamt ausgegeben habe, will ich nicht so genau wissen, aber ich habe mich vorher in Deutschland absichtlich zurückgehalten. Den obligatorischen Café au Lait gab es an diesem Tag auf einem sonnendurchfluteten Innenhof. Am Sonntag haben wir dann einen Ausflug nach Avignon gemacht – ihr wisst schon, „sur le pont d’Avignon, on y danse, on y danse…“. Die Brücke war aber eher enttäuschend und reichte nicht einmal ganz über den Fluss. Außerdem wurden wir fast weggeweht und haben uns deshalb lieber wieder in einem Café auf dem Marktplatz aufgehalten. Den Papstpalast haben wir auch besichtigt, denn im 14. Jahrhundert haben neun Päpste nicht in Rom, sondern in Avignon regiert, das war interessant und mir bisher irgendwie entgangen.
Ja und nun sitze ich im Thalys und fahre wieder in die Heimat und denke über die beiden Wehrmutstropfen nach: Julia erst wieder in zwei Monaten sehen und ab jetzt wieder regelmäßig an der Masterarbeit schreiben, denn der habe ich weder auf der achtstündigen Hinfahrt, noch an den drei Vormittagen, an denen Julia arbeiten musste, oder auf der ebenso langen Rückfahrt besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt – aber damit hatte wahrscheinlich sowieso niemand, inklusive mir, ernsthaft gerechnet.
Was für ein schöner Bericht über deine Reise. Zum französischen Wort für Kleingeld…du hast es bestimmt schon oft benutzt. Diese Frage hilft dir: Wie nennt man nochmal das Ding, in dem man sein Geld herumträgt?
oooh endlich wieder ein Blogeintrag von dir. Es war nur ein Zufall, dass ich mal wieder auf deine Seite geklickt hab. Und sooo lustig… das hat meinen müden tristen Morgen gleich geändert =o) viele Sonnenstrahlen aus Nepal..und viel ERfolg weiterhin für deine Arbeit, tschakka…